Die Rookies der Düsseldorf Panther haben ihren 16. Deutschen Jugendmeistertitel knapp verpasst. Im hochklassigen und ungeheuer dramatischen Finale um den Junior Bowl XXXVI unterlag der Nachwuchs der Düsseldorfer Footballer den gastgebenden Paderborn Dolphins vor 1.500 Zuschauern im Hermann-Löns-Stadion mit 22:27 (0:0, 6:7, 10:13, 6:7).

„Das war bis zur letzten Minute ein Duell auf Augenhöhe, in dem wir im entscheidenden Moment vielleicht ein bisschen mehr Glück hatten“, sagte nachher Thomas Lücke. Trotz aller Freude über den ersten Titel überhaupt für Paderborn dachte der Teammanager der Dolphins auch an die Spieler des Rekord-Jugendmeisters. „Diese Panther sind eine tolle Mannschaft, sie haben meinen vollen Respekt.“ Mit Panther-Vorstand Markus Becker war er sich einig, dass das Finale „absolute Werbung für den Football“ war: „So ist das eben im Sport“, resümierte Becker. „Gerade beim Football entscheiden eben oft die Kleinigkeiten“, und gratulierte neidlos: „Glückwunsch an die Dolphins, sie haben diesen Titel verdient.“

Ausschlaggebend für den Ausgang war das deutlich bessere Angriffsspiel der Ostwestfalen, die ab Mitte des dritten Viertels ihr Passspiel entscheidend etablieren konnten. Und: „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, die die Paderborner Fehler uns eröffnet haben“, analysierte Becker, der an seine drei mit den Raubkatzen errungenen Meistertitel (1983, `84 und `86), aber auch an die beiden Finalniederlagen (1985 und `88) in seiner aktiven Zeit erinnerte. „Man darf sich dadurch nicht entmutigen lassen, sondern muss wieder aufstehen und weiter am Erfolg arbeiten.“

Panther beißen vor der Pause zurück
Doch zurück zum Junior Bowl XXXVI: Das Duell der beiden deckungsstärksten deutschen Jugendmannschaften begann zäh. Schon in der Meisterschaftsrunde hatte es beim 17:7 für die Düsseldorfer und beim 6:0 für die ‚Delfine‘ im Rückspiel nur wenige Punkte gegeben. Paderborns Sidney Shiundu fing einen Pass von Panther-Spielmacher Lucas Wevelsiep ab, nur vier Spielzüge später eroberte Marius Kensy für die Gäste einen fallen gelassenen Ball (Fumble). Die Düsseldorfer erzielten zwar etwas mehr Raumgewinn, aber nichts Zählbares. Das gelang Paderborn dann beim vierten Ballbesitz: Mit fünf Pässen wurde der mit Nationalspielern gespickte Abwehr-Rückraum der Panther überwunden – 7:0.

Erst kurz vor der Pause bissen die Panther zurück: Die Offense schien schon erneut gestoppt zu sein, ehe sich Nick Strecker mit einem schönen Wevelsiep-Pass bis kurz vor die Endzone durchtankte. Özcan Kaan, der insgesamt an diesem Tag mit 25 Läufen mehr als 110 Yards Raumgewinn erkämpfte, wuchtete den Ball in die Endzone, der Versuch einer Zwei-Punkte-Conversion scheiterte, so gingen die ‚Delfine‘ mit dem 7:6-Vorsprung in die Pause.

Furioser Start nach der Pause
Das dritte Viertel begann fulminant. Die Hausherren mussten an der eigenen Acht-Yard-Linie starten, gleich im ersten Versuch setzte die Panther-Deckung Paderborns Nationalmannschafts-Spielmacher Luke Wentz gehörig unter Druck. Sein unkontrollierter Pass wurde von Hannes Sell abgefangen und unter begeistertem Jubel der 300 mitgereisten Düsseldorfer Fans zur 13:6-Führung zurückgetragen. Damit schien das berühmte Momentum zugunsten der Gäste gekippt zu sein, zumal sich Quarterback Wentz bei dieser Aktion am Beim verletzte. Die Defense der Rheinländer stand und beim nächsten Ballbesitz zeigten die Offenseline und ‚Arbeitspferd‘ Kaan ihre Klasse. Doch nach dem Fieldgoal von Cedric Simon zum 16:7 kippte die Partie erneut.

Moritz Johannknecht, der Ersatz-Quarterback der Dolphins, der bis zum Ausfall von Wentz eine Klasse-Partie als Linebacker geboten hatte, avancierte zum Matchwinner. „Nein, damit hatte ich nicht gerechnet“, gab der 18-Jährige nachher strahlend zu: „Ehrlich gesagt, hatte ich mordsmäßig Schi.., als ich übernehmen musste.“  Mit vier Pässen zerpflückte er das Panther-Backfield und orchestrierte den Anschluss zum 14:16. Die Partie wurde immer intensiver, das vorher eher ruhige Stadion tobte inzwischen. Im zweiten Spielzug unterlief den Panthern ein Fehlpass, nur ein Play danach bügelte Rene Hanßen mit seiner Interception den Fehler wieder aus. Die Panther wurden gestoppt und mussten punten und Johannknecht zelebrierte eine weitere tolle Angriffsserie. Nach seinem zweiten Touchdown-Pass innerhalb von vier Minuten lagen die Ostwestfalen 20:16 vorne und das Schlussviertel begann.

Viertel der verpassten Gelegenheiten
Das wurde für die unermüdlich fightenden Düsseldorfer leider zum Quarter der verpassten Gelegenheiten: Nach einem tollen Kick-off-Return von Nafiu Banjoko kam die Offense nicht so recht in Gang, und die Chance, mit einem 40-Yards-Fieldgoal wieder heranzukommen, wurde wegen eines schlechten Snaps vergeben. Doch die Defense hielt die Gäste im Spiel: Diesmal war es Harlan Kwofie, der auch als Passempfänger eine Klasse-Leistung bot und sich nun einen Dolphins-Pass krallte. Der Angriff blieb erfolglos: Die Panther spielten an der 32-Yards-Linie sogar den vierten Versuch aus, schafften den letzten Yard zum nächsten ersten Versuch jedoch nicht. Gleich anschließend die nächsten Aufreger: Waheed Bhikh gelang die fünfte Balleroberung der Düsseldorfer Deckung, Jan Berg im Gegenzug der dritte Turnover für die Dolphins.

Quarterback Johannknecht legte mit einem 71-Yards-Pass die längste Aktion des Tages hin, Miguel Kleinschmidt erlief die nächsten Punkte zum 27:16 viereinhalb Minuten vor Schluss. Die Vorentscheidung? Nein! Die Panther gaben nicht auf: Mit elf Plays überbrückten Wevelsiep und Co. in knapp zwei Minuten 73 Yards, Kaan (wer sonst?) verkürzte auf 22:27. Nur mit einem Onside-Kick hatten die Düsseldorfer noch eine Chance: probiert, funktioniert! Hannes Sell, der schon vorher mit seinen großartigen Punts immer wieder für gute Feldpositionen gesorgt und ja auch schon gescort hatte, eroberte nach einem Dolphins-Fehler an der Mittellinie seinen eigenen Kick, genau 2:22 Minuten vor Schluss eine weitere Chance für die schwarzen Raubkatzen.

Dolphins erweisen sich als wahre Champions
Mit 13 Spielzügen gelang der Vormarsch bis sechs Yards vor die Endzone. Doch der siegbringende Touchdown wollte nicht mehr fallen, 31 Sekunden vor dem Ende musste der Ball an Paderborn abgegeben werden – die Niederlage war besiegelt. Fast schon ungläubiger Jubel bei den frisch gebackenen Meistern, abgrundtiefer Frust beim Vize. Die Düsseldorfer hockten nach der vierten Niederlage in der schon 19. Endspielteilnahme völlig demoralisiert und vor Enttäuschung und Erschöpfung weinend auf dem Rasen. Trost kam aber nicht nur von mitgereisten Familien, Freundinnen und Freunden der Panther, sondern auch von den Akteuren des Siegers – spätestens da hatten die Dolphins sich als wahre, würdige Champions erwiesen.

Junior Bowl XXXVI, Finale um die Deutsche Jugend-Meisterschaft im American Football
Paderborn Dolphins – Düsseldorf Panther 27:22 (0:0, 7:6,13:10, 7:6)
Zuschauer: 1.500 im Hermann-Löns-Stadion in Paderborn-Schloß Neuhaus

7:0       Max Siemssen 29-Yards-Pass von Luke Wentz, PAT Fabio Zandegiacomo (12:39 Minuten gespielt)
7:6       Özcan Kaan , 2-Yards-Lauf (20:50)
7:13     Hannes Sell, 15-Yards-Interceptionreturn (24:08)
7:16     Cedric Simon, 38-Yards-Fieldgoal (17:29)
14:16   Jan Dupong-di-Moutassy 30-Yards-Pass von Moritz Johannknecht, PAT Fabio Zandegiacomo (19:45)
20:16   Jan Dupong-di-Moutassy 37-Yards-Pass von Moritz Johannknecht (23:52)
27:16   Miguel Kleinschmidt, 9-Yards-Lauf, PAT Fabio Zandegiacomo (31:28)
27:22   Özcan Kaan, 4-Yards-Lauf (45:35)

TEILEN