Sechs Yards fehlen Panther Rookies zum 16. Meistertitel

27. August 2017
Jürgen Nitsch

Die Rookies der Düsseldorf Panther haben ihren 16. Deutschen Jugend­meis­ter­titel knapp verpasst. Im hochklas­sigen und ungeheuer drama­ti­schen Finale um den Junior Bowl XXXVI unterlag der Nachwuchs der Düssel­dorfer Footballer den gastge­benden Paderborn Dolphins vor 1.500 Zuschauern im Hermann-Löns-Stadion mit 22:27 (0:0, 6:7, 10:13, 6:7).

„Das war bis zur letzten Minute ein Duell auf Augenhöhe, in dem wir im entschei­denden Moment vielleicht ein bisschen mehr Glück hatten“, sagte nachher Thomas Lücke. Trotz aller Freude über den ersten Titel überhaupt für Paderborn dachte der Teamma­nager der Dolphins auch an die Spieler des Rekord-Jugend­meisters. „Diese Panther sind eine tolle Mannschaft, sie haben meinen vollen Respekt.“ Mit Panther-Vorstand Markus Becker war er sich einig, dass das Finale „absolute Werbung für den Football“ war: „So ist das eben im Sport“, resümierte Becker. „Gerade beim Football entscheiden eben oft die Kleinig­keiten“, und gratu­lierte neidlos: „Glück­wunsch an die Dolphins, sie haben diesen Titel verdient.“

Ausschlag­gebend für den Ausgang war das deutlich bessere Angriffs­spiel der Ostwest­falen, die ab Mitte des dritten Viertels ihr Passspiel entscheidend etablieren konnten. Und: „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, die die Pader­borner Fehler uns eröffnet haben“, analy­sierte Becker, der an seine drei mit den Raubkatzen errun­genen Meister­titel (1983, ‘84 und ‘86), aber auch an die beiden Final­nie­der­lagen (1985 und ‘88) in seiner aktiven Zeit erinnerte. „Man darf sich dadurch nicht entmu­tigen lassen, sondern muss wieder aufstehen und weiter am Erfolg arbeiten.“

Panther beißen vor der Pause zurück
Doch zurück zum Junior Bowl XXXVI: Das Duell der beiden deckungs­stärksten deutschen Jugend­mann­schaften begann zäh. Schon in der Meister­schafts­runde hatte es beim 17:7 für die Düssel­dorfer und beim 6:0 für die ‚Delfine‘ im Rückspiel nur wenige Punkte gegeben. Pader­borns Sidney Shiundu fing einen Pass von Panther-Spiel­macher Lucas Wevelsiep ab, nur vier Spielzüge später eroberte Marius Kensy für die Gäste einen fallen gelas­senen Ball (Fumble). Die Düssel­dorfer erzielten zwar etwas mehr Raumgewinn, aber nichts Zählbares. Das gelang Paderborn dann beim vierten Ballbesitz: Mit fünf Pässen wurde der mit Natio­nal­spielern gespickte Abwehr-Rückraum der Panther überwunden – 7:0.

Erst kurz vor der Pause bissen die Panther zurück: Die Offense schien schon erneut gestoppt zu sein, ehe sich Nick Strecker mit einem schönen Wevelsiep-Pass bis kurz vor die Endzone durch­tankte. Özcan Kaan, der insgesamt an diesem Tag mit 25 Läufen mehr als 110 Yards Raumgewinn erkämpfte, wuchtete den Ball in die Endzone, der Versuch einer Zwei-Punkte-Conversion schei­terte, so gingen die ‚Delfine‘ mit dem 7:6‑Vorsprung in die Pause.

Furioser Start nach der Pause
Das dritte Viertel begann fulminant. Die Hausherren mussten an der eigenen Acht-Yard-Linie starten, gleich im ersten Versuch setzte die Panther-Deckung Pader­borns Natio­nal­mann­schafts-Spiel­macher Luke Wentz gehörig unter Druck. Sein unkon­trol­lierter Pass wurde von Hannes Sell abgefangen und unter begeis­tertem Jubel der 300 mitge­reisten Düssel­dorfer Fans zur 13:6‑Führung zurück­ge­tragen. Damit schien das berühmte Momentum zugunsten der Gäste gekippt zu sein, zumal sich Quarterback Wentz bei dieser Aktion am Beim verletzte. Die Defense der Rhein­länder stand und beim nächsten Ballbesitz zeigten die Offen­seline und ‚Arbeits­pferd‘ Kaan ihre Klasse. Doch nach dem Fieldgoal von Cedric Simon zum 16:7 kippte die Partie erneut.

Moritz Johann­knecht, der Ersatz-Quarterback der Dolphins, der bis zum Ausfall von Wentz eine Klasse-Partie als Linebacker geboten hatte, avancierte zum Match­winner. „Nein, damit hatte ich nicht gerechnet“, gab der 18-Jährige nachher strahlend zu: „Ehrlich gesagt, hatte ich mords­mäßig Schi.., als ich übernehmen musste.“  Mit vier Pässen zerpflückte er das Panther-Backfield und orches­trierte den Anschluss zum 14:16. Die Partie wurde immer inten­siver, das vorher eher ruhige Stadion tobte inzwi­schen. Im zweiten Spielzug unterlief den Panthern ein Fehlpass, nur ein Play danach bügelte Rene Hanßen mit seiner Inter­ception den Fehler wieder aus. Die Panther wurden gestoppt und mussten punten und Johann­knecht zelebrierte eine weitere tolle Angriffs­serie. Nach seinem zweiten Touchdown-Pass innerhalb von vier Minuten lagen die Ostwest­falen 20:16 vorne und das Schluss­viertel begann.

Viertel der verpassten Gelegenheiten
Das wurde für die unermüdlich fightenden Düssel­dorfer leider zum Quarter der verpassten Gelegen­heiten: Nach einem tollen Kick-off-Return von Nafiu Banjoko kam die Offense nicht so recht in Gang, und die Chance, mit einem 40-Yards-Fieldgoal wieder heran­zu­kommen, wurde wegen eines schlechten Snaps vergeben. Doch die Defense hielt die Gäste im Spiel: Diesmal war es Harlan Kwofie, der auch als Passemp­fänger eine Klasse-Leistung bot und sich nun einen Dolphins-Pass krallte. Der Angriff blieb erfolglos: Die Panther spielten an der 32-Yards-Linie sogar den vierten Versuch aus, schafften den letzten Yard zum nächsten ersten Versuch jedoch nicht. Gleich anschließend die nächsten Aufreger: Waheed Bhikh gelang die fünfte Baller­oberung der Düssel­dorfer Deckung, Jan Berg im Gegenzug der dritte Turnover für die Dolphins.

Quarterback Johann­knecht legte mit einem 71-Yards-Pass die längste Aktion des Tages hin, Miguel Klein­schmidt erlief die nächsten Punkte zum 27:16 viereinhalb Minuten vor Schluss. Die Vorent­scheidung? Nein! Die Panther gaben nicht auf: Mit elf Plays überbrückten Wevelsiep und Co. in knapp zwei Minuten 73 Yards, Kaan (wer sonst?) verkürzte auf 22:27. Nur mit einem Onside-Kick hatten die Düssel­dorfer noch eine Chance: probiert, funktio­niert! Hannes Sell, der schon vorher mit seinen großar­tigen Punts immer wieder für gute Feldpo­si­tionen gesorgt und ja auch schon gescort hatte, eroberte nach einem Dolphins-Fehler an der Mittel­linie seinen eigenen Kick, genau 2:22 Minuten vor Schluss eine weitere Chance für die schwarzen Raubkatzen.

Dolphins erweisen sich als wahre Champions
Mit 13 Spiel­zügen gelang der Vormarsch bis sechs Yards vor die Endzone. Doch der siegbrin­gende Touchdown wollte nicht mehr fallen, 31 Sekunden vor dem Ende musste der Ball an Paderborn abgegeben werden – die Niederlage war besiegelt. Fast schon ungläu­biger Jubel bei den frisch gebackenen Meistern, abgrund­tiefer Frust beim Vize. Die Düssel­dorfer hockten nach der vierten Niederlage in der schon 19. Endspiel­teil­nahme völlig demora­li­siert und vor Enttäu­schung und Erschöpfung weinend auf dem Rasen. Trost kam aber nicht nur von mitge­reisten Familien, Freun­dinnen und Freunden der Panther, sondern auch von den Akteuren des Siegers – spätestens da hatten die Dolphins sich als wahre, würdige Champions erwiesen.

Junior Bowl XXXVI, Finale um die Deutsche Jugend-Meister­schaft im American Football 
Paderborn Dolphins – Düsseldorf Panther 27:22 (0:0, 7:6,13:10, 7:6)
Zuschauer: 1.500 im Hermann-Löns-Stadion in Paderborn-Schloß Neuhaus

7:0       Max Siemssen 29-Yards-Pass von Luke Wentz, PAT Fabio Zande­giacomo (12:39 Minuten gespielt)
7:6       Özcan Kaan , 2‑Yards-Lauf (20:50)
7:13     Hannes Sell, 15-Yards-Inter­cep­ti­on­return (24:08)
7:16     Cedric Simon, 38-Yards-Fieldgoal (17:29)
14:16   Jan Dupong-di-Moutassy 30-Yards-Pass von Moritz Johann­knecht, PAT Fabio Zande­giacomo (19:45)
20:16   Jan Dupong-di-Moutassy 37-Yards-Pass von Moritz Johann­knecht (23:52)
27:16   Miguel Klein­schmidt, 9‑Yards-Lauf, PAT Fabio Zande­giacomo (31:28)
27:22   Özcan Kaan, 4‑Yards-Lauf (45:35)

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